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Die Soziologie zwischen "Fliegen" und "Eintauchen". Makro- und Mikroebene veranschaulicht

Die Soziologie spielt mit ihren Fragen und Analysen auf unterschiedlichen Ebenen und Feldern.

Sie ist für ihre Distanz bekannt, die durch einen abstrakten Zugang zur sozialen Welt entsteht. Wir nennen es hier "das Fliegen": von oben erscheinen (Un-)Regelmäßigkeiten und Muster deutlich und undramatisch.

Hier soll nun vor allem beleuchtet werden, wo die Soziologie auch in konkreten, praktischen, sozialen Interaktionen Anwendung findet. Das nennen wir hier "das Eintauchen": wo berührt diese Perspektive das direkte Erleben von einem Menschen oder mehreren Menschen in Kommunikation, wie Interaktion und Austausch.

Dafür schauen wir nach soziologischen Ansätzen, um das Wesen "des Fliegens" und "des Eintauchens" herauszustellen. In dieser Flaschenpost konzentrieren wir uns auf die Systemtheorie.


Makro- und Mikroebene veranschaulicht durch Coleman

Das Badewannenmodell nach Coleman veranschaulicht hierfür beispielsweise die Unterscheidung von Makro- und Mikroebene. Gesellschaftliche Phänomene auf der Makroebene haben einen Effekt auf das Verhalten der Menschen auf der Mikroebene. Durch Entwicklungen auf der Verhaltensebene ergeben sich Veränderungen auf der Makroebene und ein neues gesellschaftliches Phänomen lässt sich ableiten. Das lässt sich in Form einer "Badewanne" nachvollziehen. Als Beispiel wählt Coleman hier das ökonomische System, was durch individuelles, menschliches Verhalten gestaltet wird. Abb. 1 Coleman'sche Badewanne


Quelle: Coleman 1991: 10. In dieser Form gelingt es Coleman zu zeigen, wie eine Verbindung soziologischer Analyse möglich ist: Einerseits lassen sich große, abstrakte Zusammenhängen auf gesellschaftlicher Makroebene benennen. Das wäre das"Fliegen". Andererseits findet der Mensch mit seinen Werten, Bedürfnissen, Gewohnheiten und Handlungen Raum und Ausdruck. Das wäre das "Eintauchen". Verschiedene Theorien der Soziologie lassen sich auf jeweils unterschiedlichen Ebenen von diesem "Badewannenmodell" einordnen. Gesamtgesellschaftliche Ansätze haben den Anspruch komplexe Zusammenhänge auf der Makroebene, im "Flug" herzustellen. Dazu gehört auch die Systemtheorie, die gleich in den Fokus rückt. Außerdem gibt es Ansätze die auf der Mikroebene "eintauchen", wie Handlungs-, Rollentheorie. Viele Ansätze integrieren beide Perspektiven und beachten damit sowohl die Makro- als auch die Mikroebene. Luhmanns Systemtheorie im "Tauchgang" Die Systemtheorie wird im folgenden kurz umrissen. Neben dem "Fliegen", "taucht" Luhmann auch ein und lässt sich auf individuellen Interaktionen wiederfinden. Wir werden es beispielhaft mit möglichen Themen eines Arbeitsteams durchspielen. Zunächst eine kurze Einführung in die luhmann'schen Vokabeln. Die wesentliche Unterscheidung in der Theorie sozialer Systeme ist die zwischen System und Umwelt. Durch die Bildung eines Sytems entsteht eine Abgrenzung zur Umwelt. Zwischen System und Umwelt bestehen dabei Austauschbeziehungen als In- und Output. Das System selektiert dabei Information, die für es relevant sind von irrelevanten Informationen. Daher reduziert ein System in dieser Hinsicht Komplexität. Andererseits entsteht durch die Systembildung ein Aufbau von innerer Komplexität. So können innerhalb des Systems Subsysteme in beliebiger Vielfalt an Unterkategorien bestehen. Dabei lässt sich je nach Definition des Systems eine mehr oder weniger abstrakte oder konkrete Anwendung finden. Luhmann unterscheidet beispielsweise das System Wirtschaft, Recht oder Politik voneinander. Je nach Akteur ergibt sich Kommunikation, wie Interaktion & Austauschbar auf der Makro-, Meso- oder Mikroebene. Interaktionen zwischen Unternehmenverbänden und Interessenvertretungen von ArbeitnehmerInnem ließen sich als Interaktion oder Kommunikation auf der Makroebene definieren. Auf der Mesoebene fänden sich beispielsweise standortübergreifende unternehmerische Strukturen in der Kommunikation der Außendarstellung mit einer einheitliche E Mail Signatur aller MitarbeiterInnen. Konkrete individuelle Interaktion und Kommunikationsprozesse ließen sich auch mit der Theorie sozialer Systeme für das Beispiel einer Strukturänderung für ein Team von 4 Menschen anwenden. Dynamik eines 4er Teams in der Wasserstoffforsching für die Automobilindustrie Um dieses Beispiel auszuführen, wird in luhmann'schem Vokabular der Theorie sozialer Systeme ein solcher Prozess beschrieben werden. Die Unterscheidung von System und Subsystem kann damit verdeutlicht werden: Eingebettet in das System Wirtschaft, mit den Subsystem einer Branche, wie bspw. der Automobilindustrie, im Systems eines konkreten Unternehmens, im wiederum Subsystem der Forschung & Entwicklung, lässt sich das Subsystem eines 4er Teams vorstellen. Dies könnte bspw. mit der Aufgabe der Wasserstoffforschung betraut sein. Bei einem Wechsel einer Kollegin in die Rolle einer Führungskraft, ergeben sich in diesem Team eine Vielzahl an möglichen Dynamiken. Die Systemtheorie bietet auch das greifbar machen individueller, menschlicher Prozesse und kann "innere Welten" abbilden. Jeder Mensch kann als System mit eigener Differenzierung durch Erfahrungen, Wünsche, Gefühle und Gedanken betrachtet werden. Der Umgang mit Veränderung kann zum Beispiel, je nach individuellen Erfahrungen unterschiedliche positive oder negative Erlebnisse aktivieren. Zum Beispiel die Dynamik einer Kollegin mit negativen Erfahrungen von Prozessen von struktureller Veränderung wie Eikenveränderungen einzelner Teammitglieder lässt sich ebenfalls damit benennen. Außerdem können Beziehungsdynamiken als Interaktionssysteme abgebildet werden. Dies kann dann zum Beispiel abbilden, wenn zwischen zwei KollegInnen aus dem Team bereits positive Erfahrungen einer längeren, vertrauteren Arbeitsbeziehung mitgebracht werden. Ein anderes Beispiel wäre die Dynamik, die durch das Hinzukommen einer neuen KollegIn ausgelöst wird. Es sollte deutlich gemacht werden, dass in der Soziologie die Kunst des Fliegens und des Eintauchens im sowohl-als-auch bestehen. Mit Coleman wurde dafür verantwortlich die Unterscheidung von Mauro- und Mikroebene vorgestellt. Im Anschluss wurde nach einer sehr knappen Einführung in die Systemtheorie anhand eines Beispiels ein "Tauchgang" vorgestellt. Damit sollte das Potenzial der Systemtheorie für "innere Welten" einzelner sowie Dynamiken mehrerer Menschen gezeigt werden.



Tipps zum Weiterlesen Coleman, J. (1991): Grundlagen der Sozialtheorie. Stichweh, Rudolf (2007): Niklas Lumann, in: Kaesler, Dirk (Hrsg.) Klassiker der Soziologie 2. Von Talcott Parsons bis Anthony Giddens.


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